Angebot schreiben als Maler: Ablauf, Inhalte und typische Fehler
Das Angebot entscheidet doppelt: ob du den Auftrag bekommst – und ob du daran verdienst. Beides wird nicht am Küchentisch um 22 Uhr entschieden, sondern vorher: beim Aufmaß, bei der Kalkulation und bei der Frage, wie schnell dein Angebot beim Kunden ist. Dieser Leitfaden geht den Weg einmal komplett durch.
1. Grundlage: Das Aufmaß
Jede Position steht und fällt mit der Menge. Miss Räume einzeln (Länge, Breite, Höhe) und halte fest, was zur Wandfläche gehört und was nicht:
- Öffnungen nach VOB: Fenster und Türen bis 2,5 m² Einzelfläche werden übermessen (nicht abgezogen), größere werden abgezogen. Das ist keine Kleinigkeit – bei einem Altbau mit großen Fenstern liegen dazwischen schnell 10 % Fläche.
- Laibungen extra erfassen: Sie sind Arbeitszeit, die in „Wand streichen" nicht drinsteckt.
- Teilflächen notieren: Wird nur bis zu einer Höhe gearbeitet (z. B. nach einem Wasserschaden), gehört genau diese Fläche ins Angebot – nicht die ganze Wand.
2. Kalkulation: Preis ist Lohn + Material + Risiko
Ein belastbarer Einheitspreis besteht aus drei Teilen:
- Lohnkosten: Minuten pro m² × dein voller Stundensatz (inkl. Lohnnebenkosten, nicht der Brutto-Stundenlohn des Gesellen!).
- Material: realer Verbrauch pro m² × Einkaufspreis, plus Zuschlag für Verschnitt und Beschaffung.
- Gemeinkosten & Gewinn: Fahrzeuge, Büro, Ausfallzeiten, dein Unternehmerlohn – und am Ende ein Gewinnaufschlag. Wer den weglässt, arbeitet für die Ehre.
Der häufigste Fehler ist nicht der zu hohe Preis, sondern der geratene: Einmal falsch angesetzt, wiederholt sich der Fehler in jedem Angebot. Pflege deine Positionen einmal sauber in einem Katalog und nutze sie wieder.
3. Inhalte: Was ins Malerangebot gehört
- Vollständige Anschrift beider Seiten, Datum, Angebotsnummer
- Positionen mit klarer Leistungsbeschreibung (was, wo, womit, in welcher Qualität), Menge, Einheit, Einzel- und Gesamtpreis
- Netto-Summe, Mehrwertsteuer, Brutto-Summe
- Bindefrist (z. B. 4 Wochen), Zahlungsbedingungen, ggf. Abschlagszahlungen
- Was NICHT enthalten ist (z. B. Ausräumen, Elektroarbeiten) – das verhindert Streit später
4. Tempo gewinnt: Die ersten 48 Stunden
Viele Aufträge gehen nicht an den Billigsten, sondern an den, der zuerst ein sauberes Angebot liefert. Wenn zwischen Besichtigung und Angebot zwei Wochen liegen, hat der Kunde längst woanders unterschrieben. Zwei Hebel:
- Aufmaß und Angebot verbinden: Wenn die Mengen digital erfasst sind, ist das Angebot in Minuten kalkuliert statt in Feierabend-Stunden.
- Digital annehmen lassen: Ein Angebot als Link, das der Kunde am Smartphone liest und direkt unterschreibt, schließt schneller ab als ein PDF, das ausgedruckt und zurückgescannt werden muss. Wie das geht: Angebotssoftware für Handwerker.
5. Typische Fehler, die Geld kosten
- Pauschalpreis ohne Mengengerüst – bei Mehraufwand zahlst du drauf und kannst nichts nachweisen.
- Nachträge mündlich zusagen – jede Zusatzleistung gehört schriftlich ins Projekt, sonst wird sie am Ende „war doch inklusive".
- Anfahrt, Gerüst, Entsorgung vergessen – kleine Positionen, die sich über das Jahr zu echten Beträgen summieren.
- Nicht nachfassen – ein freundlicher Anruf nach einer Woche holt mehr Aufträge als jeder Rabatt.
Fazit
Ein gutes Malerangebot ist kein Papierkram, sondern dein wichtigstes Verkaufswerkzeug: sauberes Aufmaß, ehrliche Kalkulation, verständliche Positionen, schnelle Zustellung, digitale Unterschrift. Jeder dieser Schritte ist einzeln machbar – zusammen entscheiden sie über deine Marge.
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